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Der Kreiselschwader

Warum wir Vergangenheit an die Wand nageln

Wenn man mitten in die Industriealisierung der Landwirtschaft hineingeboren wurde, dann erlebt man den Wandel als ständigen Begleiter. In der Wagenhütte standen sie für nie wiederkehrende Zeiten bereit. Ein Pflug, ein Leiterwagen, eine Strohgabel, der Zugschlitten und noch einige weitere einstmals wichtige landwirtschaftliche Arbeitsgeräte. Einzig der Zugschlitten war im Winter für schneidige Abfahrten zu gebrauchen, der Rest nicht. Also fing man an, Pflüge in den Garten zu stellen und Strohbabeln oder Dreschflegel an die Wand zu nageln. Ein bisschen Heimatmuseum an der Stadelwand.

Zum Dreschflegel gesellten sich nach und nach Wagenräder, Sengsen, Rechen, Holzschaufeln und manch anderes einst brauchbares. Nostalgie. Arbeitsgeräte, die man selber noch mit Schweiß tränkte. Als wir den ersten Kreiselschwader bekamen, musste ein 28er Deutz die Maschine antreiben. Das konnte er auch, aber beim Ausheben mit der Hydraulik stellte sich oft spät heraus, wer in Sachen Gleichgewicht Recht bekommen würde. Das war letztlich auch der Kündigungsgrund für den Deutz, er wurde durch einen etwas größeren ersetzt.

Mittlerweile hat den Kreiselschwader das Schicksal des Dreschflegels ereilt, er ist Vergangenheit. Also dachte ich mir, dass es doch ein würdiges Kreiselschwaderende wäre, wenn ich ihn an die Stadelwand nagle. Doch stellte sich schnell heraus, dass beim Kreiselschwader mit Nägeln nichts auszurichten war. Der brauchte eine stabilere Befestigung und ich musste die Lorwand vorher innen mit einer eisenbewährten Betonlage verstärken, aber dann ging es und nun hängt er als stolzes Treibgut der Landwirtschaftsgeschichte fest verschraubt an der Wand. Sogar die Zapfwelle habe ich mit extra Betonankern befestigt, weil Zapfwellen zu Zeiten als Kreiselschwader noch gebraucht wurden, häufig gestohlen wurden.

Beim Orion gelang mir das leider nicht, der war zu sperrig, aber verdient hätte der es auch, ebenso wie der 28er Deutz. Immerhin wäre ich der erste gewesen, der einen 28er Deutz an die Lorwand der Stadels hängt. Interessant wird es in ein paar Jahren, wenn Doppel- und Vierfachschwader an die Lorwände geschraubt werden und dort der erste John Deere 6R 230 als Relikt hängt. Die Zukunft ist nicht aufzuhalten und die Vergangenheit kann man nur bewahren, wenn man sie allgemein sichtbar und zur immer währenden Erinnerung an die Wand nagelt.

Der 8. Tag

Die Vollendung der Schöpfung

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass Gott das gesamte Universum in nur sieben Tagen erschaffen hat, wobei das nicht ganz stimmt, denn am siebten Tag ruhte sich Gott vom Schöpfen aus. Erstaunlich sind dabei zwei Aspekte. Der erste: Gott schuf das gesamte Universum inklusive einer leeren Erde binnen eines einzigen, des ersten Tages. Und der zweite Aspekt: die weiteren vier Tage beschäftigte er sich ausschließlich mit der Gestaltung der Erde und sie wurde richtig schön. Ja, es ist mit absoluter Gewissheit davon auszugehen, dass die Erde der wunderschönste Planet des gesamten Universums ist, wenn Gott so viel Zeit für sie verwendete. Vielleicht hat Gott zu viel Zeit für die Erde aufgewendet, denn als er am sechsten Tag den Menschen erschuf war er müde und schlief am siebten Tag.

Wer müde ist, macht Fehler

Wer müde ist, macht Fehler, das ist eine menschliche Erfahrung, aber Gott kannte keine menschlichen Erfahrungen und da es nach unseren Informationen seine erste Schöpfung war, dürfte Müdigkeit eine neue göttliche Erfahrung gewesen sein. Was hat ihn so müde gemacht? Da er sich nicht nach dem fünften Tag schlafen legte, kommt als Ursache nur der Mensch in Frage. Vielleicht ist er zu egoistisch geraten, möglicherweise raffgierig oder feindselig und kriegerisch. Jedenfalls muss Gott da schon sehr viel unerwartete göttliche Arbeit in die Menschen gesteckt haben, dass er so müde wurde. Jedenfalls legte er sich nach dem Schöpfen der Menschen schlafen.

Während Gott also am siebten Tage schlief, machte sich die Menschheit über seine Schöpfung her. Sie vermehrte sich zunächst zaghaft, legte sich aber trotzdem bald selbst mit sich an. Als Moses sich in seiner Not an Gott wandte, blinzelte Gott kurz, und diktierte ihm zehn Gebote, damit die Menschen fortan in Frieden leben können, dann legte sich wieder hin. So ein göttlicher Tag, das muss man wissen, ist länger als vierundzwanzig Stunden, viel länger.

Am Morgen des achten Tages

Als Gott am Morgen des achten Tages erwachte, warf er einen Blick auf seinen Lieblingsplaneten und stutzte. Was war geschehen? Der ganze Planet war von den Menschen umgestaltet worden. Die Rohstoffe waren ausgebeutet, vielerorts sah er tiefe Löcher und rauchende Türme in die einst schöne und klare Atmosphäre qualmen. Sein Lieblingsplanet sah nicht gut aus gar nicht gut. Gott sah Hunger und gleichzeitig Überfluss. Menschen, die vor Menschen flüchteten und Menschen, die Zäune gegen Flüchtenden errichteten. Ja, Gott sah, dass die Menschen außer Rand und Band geraten waren und auf dem besten Wege, sich selbst zu vernichten. Zwar schienen einige Menschen bereits begriffen zu haben, dass die Menschheit untergeht, aber diese wenigen konnten zu wenig ausrichten. Die Menschen hatten sich zwar Klimaziele gesetzt, erreichten diese aber nicht, ganz im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Und wie zu Mose Zeiten hatten sie einen neuen Götzen erfunden, das Mammon.

In seiner Not sandte Gott Engel auf die Erde, dass sie Unruhe stiften und die Menschen auf den rechten Weg zurückbringen. Die Engel klebten sich an belebten Straßen fest, beschmierten teure Kunstwerke, um auf die viel größere Zerstörung von Gottes Lieblingsplaneten hinzuweisen. Aber die Menschen hörten nicht auf die Engel sondern erzürnten sich über ihre Taten. Die Engel wurde eingesperrt und vor Gerichte gezerrt. Ihre Ermahnungen hörte man nicht aber ihre Aktionen wurden bestraft. 

Der traurige Gott

Das machte Gott traurig, er sah alles an, was der Mensch aus seiner Schöpfung gemacht hatte und erkannte, dass es keine gute Idee ist, eine Schöpfung in Müdigkeit zu krönen. Also musste eine neue Krönung her. Zunächst aber war die alte Krönung noch da. Doch die würde sich selbst beseitigen, man konnte da vielleicht ein bisschen nachhelfen. Also sandte Gott wieder Engel auf die Erde, die zu Luxus und Zügellosigkeit aufriefen. Sie redeten den Menschen ein, dass es sich um eine Klimalüge handele. Die Menschen sollten sich große Autos kaufen, mit Flugzeugen die ganze Welt bereisen und in Saus und Braus leben. Der Konsum wurde zum wichtigsten Ziel und damit er nicht in Gefahr gerät wurden Flüchtlingsströme in Konsumländer abgewehrt. Als Gott sah, dass er die alte Krönung relativ rasch los sein würde, legte er sich wieder hin damit er für den neunten Tag richtig ausgeschlafen ist und die neue Krönung ohne Fehler schöpfen kann.

Der Wald und seine Bäume

Kollektives Bewusstsein oder selektives?

Man mag mich für einen Spinner halten, aber ich verabschiede mich von meinen Bäumen. Also nicht in der Art, dass ich von ihnen wegziehe, sondern dass ich sie einer Verwendung zuführe, die überwiegend dem Erfrierungstod im Winter entgegen wirken soll. Wir heizen mit Stückholz und das seit vielen Jahren. Stückholz wächst nicht im Holzsschuppen, es muss geerntet und mit viel Schweiß auf Ofengröße zerkleinert werden. Holz wärmt öfter.

Wenn ich einem Harvester bei der Arbeit zuschaue, dann fällt mir zuallererst das Wort "respektlos" ein. Baum für Baum wird mit eisernem Griff gepackt und mit einer Hochgeschwindigkeits-Kettensäge gefällt, dann entastet, abgelängt und abgelegt. Kaum eine Minute dauert es vom gesunden Baum bis zum verkaufsfertigen Rundholz.

So ein Baum wächst Jahrzehnte heran, steht auf seinem Platz, bietet vielen Tieren Heimat, bis ein Mensch kommt, der lediglich durch einen Eintrag im Grundbuch das Recht hat, den Baum zu fällen. Freilich mache ich das auch, aber mit Respekt. Meistens gehe ich mindestens einen Tag vor dem Fällen in den Wald und teile dem Baum mit, was ich vorhabe. Dazu lege ich meine Hände an den Stamm und hoffe, dass der Baum meine Absicht fühlt. Das geht nicht auf den Förster Peter Wohlleben zurück, sondern auf das Wunder Natur. Mittlerweile wissen wir, dass Bäume kommunizieren. Wie das genau von statten geht, das wissen wir (noch) nicht.

Wir sind ja immer schnell bei der nüchternen Wissenschaft und alles "unwissenschaftliche" wird schnell als Firlefanz abgetan, aber wissen wir es wirklich, was in der Natur abläuft? Wissen wir, dass Bäume kein Innenleben, keine Persönlichkeit haben? Entdeckt haben wir bisher nichts, aber das beweist nichts. Höchstens, dass wir es nicht wissen. Nennen wir es also Respekt vor einem Lebewesen, das um vieles älter ist als ich. Mit diesem Respekt verabschiede ich mich von einem Baum, den ich bald fällen werde.

Ich glaube, es täte uns und der Natur sehr gut, wenn wir ihr gegenüber mehr Respekt zeigen würden. Wenn wir unser Handeln daran orientieren, wie wir die Natur dabei behandeln. Wenn wir begreifen, dass wir Teil der Natur sind und nicht ihr Ausbeuter. Wenn wir mit Sorgfalt und Achtung leben. Es würde der Natur und damit uns viel besser gehen.

Expertenüberschuss

Der Energiesektor hat 80 Millionen Berater*innen

Nachdem die Corona-Situation in den Normalbetrieb übergegangen ist und kein Mensch mehr intensive Coronaberatung braucht, haben sich die 80 Millionen deutschen Coronaspezialisten nun zu Energiespezialisten umschulen lassen. Es gibt Spezialisten für den möglichst sicheren Blackout, andere wissen ganz genau, wie lange Atomkraftwerke noch nötig sind. Dabei weiß der Wetterbericht immer seltener, wie das Wetter wird. Wieder andere sind Spezialisten auf dem Strommarkt und sehen französische und tschechische Atomstromtsunamies über unser liebes Deutschland hereinbrechen. Dem durchaus sehr fleißigen Wirtschaftsminister wird von Gasspezialisten Halbherzigkeit vorgeworfen und die Unionsparteien sind absolute Profis im Vergessen der eigenen Versäumnisse.

Laufzeit 4 x X Jahre

Aber was ist es denn nun, was uns bevorsteht? Zum Thema Atommeiler kann man feststellen, dass der Ausstieg im Jahre 30.06.2011 vom Bundestag beschlossen wurde. Dass so ein Ausstieg nicht von heute auf morgen möglich ist, wird auch den hoch gebildetsten Atomspezialisten einleuchten müssen. Man hat also Vorsorge getroffen und die Brennstäbe so eingekauft, dass sie zum Ende dieses Jahres ziemlich verbraucht sind. Ein längerer Weiterbetrieb wäre also nur mit neuen Brennstäben möglich und die Brennstäbe, welche in unseren Meilern eingesetzt werden haben eine Brenndauer von 4 Jahren. Man kann also nicht um ein oder zwei Jahre verlängern, das müsste dann ein Vielfaches von 4 sein. Das mag jetzt für das erneuerbare Verweigerungsland Bayern eine Lösung sein, aber auch das Land der Stromtrassen- und Windradgegner muss irgendwann zur Einsicht und anschließend zu Vernunft kommen.

Woanders

Wenn man einen Teich trocken legen will, darf man nicht die Frösche fragen. Wenn man eine Stromtrasse bauen will, darf man nicht die Anwohner fragen und wenn man einen Windpark bauen will, hat das nicht der Dorfgemeinderat zu beschließen. Im Grunde ganz einfach. Da wir aber nun mal ein Land des "woanders" sind, man könnte auch sagen ein Land von Egoisten, die alles immer nur woanders haben wollen, muss die Politik erforderliche Rahmenbedingungen schaffen, damit "woanders" auch mal innerhalb des eigenen Horizonts liegen kann und sei er noch so begrenzt.

Population Angsthasen

Es wird ja bei allem Neuen sofort Gefahr gewittert. Beim Windrad sind es der Infraschall und geschredderte Vogelpopulationen, bei Stromtrassen ist es vermutlich Kupferallergie. Nur die Atomkraft scheint absolut ungefährlich, fragt man die Bürgermeister der Meilerstandorte. Deren Angst ist höchstens gewerbesteuerlich begründet. Während der Rotmilan von Windrädern bedroht wird und die Haselmausbestände im Umfeld von Haselmausbrücken massiv zurückgegangen scheinen, hat die Population der Angsthasen extrem zugenommen. Sie scheint vom Klimawandel zu profitieren und das obwohl sie auch vor ihm Angst hat aber trotzdem alles verhindern will, was den Klimawandel bremsen könnte. Man sollte die Gefahr durch Angsthasen nicht kleinreden, sie ist vielleicht die größte aller Gefahren. Wer zu spät kommt, den bestraft das Klima.

Energie um jeden Preis

Oder warum wir das Klima nicht retten können

Dass es immer wieder Menschen wie Putin oder Xi, aber auch Erdogan oder Orban gelingt zu viel Macht an sich zu ziehen, sollte eigentlich längst per Gesetz verboten sein und das muss ein Gesetz sein, das nicht einmal das Parlament aushebeln kann, sondern nur das Volk. Dieser Krieg in der Ukraine ist nur möglich, weil ein Putin auf Zar macht und sich dazu eine Allmacht gesichert hat. Ebenso kann ein Xi mit dem Volk der Uiguren tun und lassen was er will. Erdogan zündet den Kurden die Hütte an und Orban entledigt sich der Opposition. Und wie solche Spiele enden, weiß man auch nur zu gut. Die Machtbesessenen überspannen den Bogen und enden tot oder lebendig als Teufel in den Geschichtsbüchern. Dieses Schicksal wird keinem der vier zitierten Paradebeispiele erspart bleiben. Fragt sich nur, wie viel Schaden sie vorher anrichten können und werden.

Aber genau das glaubt keiner der vier Halunken. So wie der Spieler den Einsatz immer weiter erhöht, weil er sonst nicht im Spiel bleiben kann. Die Welt schlägt derweil Kapriolen. Da gibt es die Verlierer, die meistens in der Überzahl sind und die Gewinner, die in der Regel Konzern heißen. Strom ist so ein Paradebeispiel, aber man könnte ebenso einen anderen Energieträger verwenden. Strom wird entweder mit fossilen Energieträgern produziert oder mit Kernenergie, weniger mit Wasserkraft und Biogas. Kernenergie ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Spaltthema. Während die FDP das Thema Kernenergie weiter am Netz haben will, ist es für die Grünen ein absolut rotes Tuch. Aber warum diese diametrale Sichtweise?

Diametrale Parteiinteressen

Nun ja, man weiß zum einen, dass die FDP eine Wirtschaftspartei ist und da Parteien neben den Mitgliedsbeiträgen und öffentlichen Geldern vor allem auf Spendengelder angewiesen sind, muss man sich sein Klientel schon warm halten. Und wenn Atomkraftwerke über ihre Zeit betrieben werden können und der Strompreis noch dazu viel höher ist, dann könnten da schon ordentlich Gewinne anfallen und natürlich würde man das der Partei auch finanziell goutieren. Bei den Grünen ist nicht zu erwarten, dass sie namhafte Spenden von Energiekonzernen bekommen, also ist das keine Triebfeder. Hier ist natürlich Ideologie im Spiel und die Geschichte eines langen Kampfes, von Wackersdorf bis Tschernobyl.

Ideologie kontra Parteikasse. Aber wie ist das Thema parteifrei einzuordnen? Das Hauptproblem der Kernenergie ist deren Müll. Er entsteht, aber keiner will ihn haben. Hier herrscht das Prinzip Zukunft, dass also die Zukunft das Problem schon lösen wird. Moralisch ist das höchst verwerflich, denn die Generationen der Zukunft werden mit dem Müll ausschließlich Probleme haben, vermutlich in sehr großer Höhe. Wenn die letzten drei Meiler weiterlaufen und dabei keine neuen Brennstäbe brauchen, dann wird kein zusätzlicher Atommüll entstehen. Das scheint aktuell der größte gemeinsame Nenner zu sein. Aber brauchen wir Atomstrom überhaupt noch? Wir nicht, glaubt man der Statistik. Deutschland ist Nettostromexporteur und sehr viel Strom wird aktuell nach Frankreich geliefert, weil dort wegen der niedrigen Wasserstände in den Flüssen viele Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen.

Hauen und Stechen

Die neue deutsche Opposition agiert nach dem Prinzip "Hauen und Stechen". So gut kann kein Regierungsvorschlag sein, dass er nicht von einem Herrn Dobrindt verbal zerschreddert wird. Grad der hätte allerhöchsten Grund, möglichst still zu sein. Aber vielleicht ist er ja jetzt gereift und um vieles besser als das zu Regierungszeiten der Fall war. Immerhin ist eine christliche Partei nie völlig sicher, ob und wie der Heilige Geist über sie her fällt. Aber jenseits aller Polemik muss man doch einmal feststellen, dass die Gasspeicher voll sind, ausreichend Flüssiggas zur Verfügung steht und beim Strom mit maximal 10 Stunden Stromausfall über den ganzen Winter verteilt zu rechnen ist, das auch nur, wenn der Winter sehr streng wird. Warum spricht also ein Herr Söder dauernd von einem Blackout? Und er meint nicht seinen eigenen, das könnte man ja durchaus verstehen. Seit Februar ist in Bayern die 10H-Regelung immer noch Gesetz, es wurden keine Windräder gebaut, keine Stromtrassen. Es wurde nichts gemacht, was dringen gemacht werden sollte. So als möchte Bayern durch Verweigerungshaltung ein Scheitern der Ampel in der Energieversorgung erzwingen. Darf man als Partei so agieren? Ist das nicht höchst staatszersetzend?

Verknappung durch Verweigerung

Mit ihrer Haltung sorgt die CSU sehr effektiv für Energieverknappung und damit für hohe Energiepreise. Klar macht die Wirtschaft ihren eigenen Reibach. Es gibt wahrlich keine Begründung, warum man in Österreich zu Zeiten des Tankrabatts nur unwesentlich höhere Spritpreise zu zahlen hatte. Am Tag nach Ende des Tankrabatts, konnte man in Peygarten Superbenzin für 1,67 € tanken. In Passau kostete der Sprit weit über 2 €. Ist das Kalkulation oder Abzocke? Ähnlich läuft es mit Pellets. Natürlich haben wir einen freien Markt und die Politik hat da wenig Spielraum. Aber muss man dann mit Windradverweigerung das Gewinnspiel der Konzerne zusätzlich anheizen?

Freilich könnte man die (künstliche) Verknappung auch durch Einsparung entschärfen. Aber passiert das? Am Wochenende veranstaltete der ADAC, als wenn nichts wäre, eine Rallye im Bayerischen Wald, zu der tausende Besucher kamen. Da ist der Spargedanke also noch nicht angekommen. Dann werden völlig intakte Bundesstraßen neu geteert, weil es halt so geplant war. Für den Verkehr bedeutet das große Umwege mit zusätzlichem Energieverbrauch, den natürlich auch die Baumaßnahme verschlingt. Doch käme niemand auf die Idee, die Maßnahme zumindest aufzuschieben, wenn nicht als unnötig zu befinden. Aber keine Sorge: Wenn wir uns nicht ändern, dann tut es das Klima umso mehr. Und da sind wir wieder beim Atommüll. Der wird nicht unser Problem sein und auch die Klimaerwärmung wird uns kaum betreffen. Das bekommen alle folgenden Generationen ab.

Das Hauptproblem ist vermutlich, dass der Mensch nicht auf künftige Gefahren konditioniert ist, die sind ja heute noch Theorie. Der heutige Verzicht indessen ist real und damit fassbar. Dass es unsere Enkelkinder mal nicht so toll haben werden, das glauben wir einfach nicht, das lassen wir nicht an uns heran. Darum wäre es schon gut, wenn der Klimawandel nicht so unheimlich träge käme, sondern viel direkter. Dass es beim Durchtreten des Gaspedals im Auto sofort wärmer würde und das Gras im Garten verdorrte, dann würden wir es schnell kapieren und auch akzeptieren. Aber so? The show must go on.

herbst

bunter wind tanzt durch den wald
zupft des herbstes kleid zurecht
wunderschön, so muss es sein
mit verschwenderischer pracht

wie ein hochzeitskleid, nur kurz gebraucht
und von ebensolcher herrlichkeit
mit fulminantem farbenspiel
malt der herbst des jahres ernte

der sommer schläft im reisekoffer
winter ist noch nicht zu ahnen
alles prall und erntereif
obst und trauben trinken sonnenstrahlen

herbst, wie bist du wunderschön
voll des lebens, voll der reifen lust
du wirst schwinden
doch grade das macht die verbleibende zeit
wertvoller mit jedem tag
der sinkt in fröstelnd kalte nacht

(Franz Schuster)

Warum eine Außenministerin fliegen muss

Über die verordneten Stammtischparolen der BDU

Und siehst du, kein Mensch würde einem Lokführer vorwerfen, dass er ständig unterwegs ist, denn das ist seine Aufgabe. Das mag höchsten seine Frau tun, die Lockführergattin, die vielleicht herum eifert, dass er in jedem Bahnhof eine andere hat. Aber so sind Lokführer nicht, die bleiben brav auf dem Gleis. Nun hat es sich neulich aber zugetragen, dass ein ehemaliger BDU-Dorfbürgermeister sich am Stammtisch über das Herumfliegen der Außenministerin mokiert hat. Das könne man ja alles per Videokonferenz erledigen. Womöglich hat er bis dato noch an keiner Videokonferenz teilnehmen dürfen, sonst wüsste er natürlich, dass man eben nicht alles über Videokonferenz lösen kann. Da gibt es zum Beispiel keinen Smalltalk und der ist mitunter wichtiger als die große Konferenz.

Genauso wenig, wie ein Zugführer seinen Job per Videokonferenz machen kann, ebenso wenig kann eine Außenministerin ihre Arbeit vom Schreibtisch aus erledigen. Aber das weiß der Ex-Dorfbürgermeister von der BDU natürlich auch, selbst bei uns in Hinterfotzing. Aber darum geht es ja gar nicht, dass man das übertrieben findet, dass eine Außenministerin in der Weltgeschichte herum fliegt, es geht vielmehr darum, dass schon ein bisschen Dreck an ihr hängen bleibt, wenn man nur oft genug nach ihr wirft. Und da wird fleißig geworfen und die Munition wird von der großen BDU-Zentrale in der Landeshauptstadt zuverlässig geliefert und in der Provinz halten es die örtlichen Parteikleingeister für ihre Christenpflicht, die amtierenden Minister anderer Parteien zu diffamieren und mit Dreck zu bewerfen. 

Ich stelle mir immer vor, dass mit jeder dieser Diffamierungen, mit jeder Verleumdung, mit jeder Lüge ein bisschen was vom eigenen Charakter verloren geht, dass man folglich jedes Mal ein bisschen charakterloser wird, bis man zum tumben Parteimegaphon verkümmert. Wer mit Dreck wirft, bekommt schmutzige Hände. Wer wissentlich lügt, verliert seine Glaubwürdigkeit. Nicht aber die Seele, denn die muss man bei einer Partei wie der BDU bei Eintritt abgeben. Eigentlich ist es schlimm, dass solche Parolen die gewünschte Wirkung erzielen, denn das stellt unserer Bevölkerung kein besonders gutes Zeugnis aus, eher eins für das wir uns schämen sollten. Aber wer schämt sich heute noch? Schämen ist abgekommen. Es musste der Schamlosigkeit weichen und gerade in der BDU gibt es viel zu viele, die mit Schamlosigkeit überhaupt kein Problem haben. Die sich ihre großen Taschen mit beiden Händen voll stopfen und das auch noch als Großtat verstanden wissen wollen.

Es wäre höchste Zeit, dieser Partei den Garaus zu machen. Aber wie soll das mit diesem Volk gehen?

Hinterfotzinger Parksteige

Über die motorisierte Eroberung der Bürgersteige

Um es mal klar zu sagen: Bürgersteige heißen Bürgersteige, weil sich darauf Bürger fußläufig bewegen, so zumindest der Gedanke. In Hinterfotzing gehen die Uhren anders. Vor vielen Jahren stimmte der hohe Rat der Bürger dafür, dass man ein bisschen auf den Bürgersteigen parken dürfe. Aber zu weit sollte das rechte Rad nicht auf dem Bürgersteig stehen. Seither eroberten die Blechdroschken sukzessive das Fußgängerterrain. Wobei sie natürlich nicht selbst auf die Idee kamen, die eingezeichneten Parkflächen zu überschreiten, höchstens ein Bisschen, damit die gehegt und gepflegte Personenkonserve ja nicht von vorbeifahrenden Autos touchiert wird. Es waren die Parkflächen selbst, die wie von Geisterhand sukzessive die Bürgersteige eroberten und sich Zentimeter für Zentimeter zu den Hauswänden zogen.

Da sind nicht wenige Stellen dabei, wo selbst risikofreudige Jungväter die Kinderwägen höchsten auf zwei Rädern durchjonglieren können. Eigenschaften, die der Rollatorfahrerin oder dem Rollstuhlfahrer abhanden kamen, folglich gibt es für sie kein Durchkommen. Aber das muss man halt hinnehmen, schließlich gibt es nichts wichtigeres, als den Durchgangsverkehr. Der braucht Platz, der muss rasen können, sonst kann das Packerl vom Amazonas eventuell um ein paar Minuten zu spät zugestellt werden und die werden täglich mehr. Da kann die Energie kosten, was sie will. Außerdem hat man ja das Einkaufen sowieso aus den Orten verbannt. Warum also autofreie Bürgersteige? Wer heute noch zu Fuß einkaufen geht, hat die Zeit verpennt, ist vermutlich sogar katholisch. Einkaufen "geht" man natürlich per Auto oder man lässt den Amazonas kommen.

Freilich ist das alles nicht gut für unser Klima und die vielen Abgase halt auch, aber es genügt voll und ganz, wenn sich andere um die Klimaziele kommen, da muss ich nicht auch noch. Das ist schon ein Vorteil, wenn du dreihundert verschiedene Nudelsorten hast und dann eine Viertelstunde länger aussuchen kannst. Wie es auch ein Vorteil ist, wenn man sich das Auto selber betanken kann und nicht sitzen bleiben muss. Das haben die Tankstellen sehr richtig erkannt, dass wir nur froh sind, wenn unsere Hände durch ehrliche Selbstbetankung nach Diesel stinken.

In meinen Kindheitsjahren hatten wir ein sprachgesteuertes Lebensmittelgeschäft, aber das musste weichen, weil wir unsere Lebensmittel lieber mit einem Drahtkarren aus den Regalen selbst heraus kramen und nicht auf der Theke überreicht bekommen wollten. Auf diese Weise ist natürlich alles viel besser geworden. Viel, viel besser. Wir sind dadurch freier geworden. Große Online-Shops wissen ziemlich genau, was wir wollen und setzen es uns so lange vor, bis wir endlich unseren Bedarf einsehen und kaufen, kaufen, kaufen.

Aber das Bürgersteigproblem bleibt, zumindest so lange als es Menschen gibt, die nicht Autofahren wollen oder können. Wie erklärst du einem Kind, dass es brav auf dem Bürgersteig gehen soll, wenn dieser von Autofahrern beschlagnahmt wird? Welche Sicherheit kannst du diesem Kind erklären? Oder ist es vielleicht so, dass man damit Kinder rechtzeitig mit den Gefahren des Straßenverkehrs vertraut machen will und lieber ein paar Opfer in Kauf nimmt, weil der Durchgangsverkehr halt wichtiger ist. Komisch, dass man beim Durchgangsverkehr die erforderliche Straßenbreite exakt kennt und bestmöglich einhält, während die Rechte des Fußgängers geflissentlich vernachlässigt werden.

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